Es gibt derzeit kein anderes Fahrradzubehör, für das dermaßen aggressiv geworben wird wie für den Velohelm. Vor allem die Hersteller dieser bunten Kappen prahlen unablässig mit Zahlen, die geradezu phantastisch sind. Bis zu 80 % aller getöteten Radfahrer, so sagen sie, könnten noch leben, wenn sie einen Helm getragen hätten. Tatsächlich können diese Behauptungen aber schon allein darum nicht stimmen, weil es gar nicht so viele Radfahrer gibt, die ausgerechnet an einer Einwirkung auf die obere Schädelhemisphäre verstarben. Genau dort aber muß die Einwirkung notwendigerweise stattgefunden haben, wenn der Helm schützen soll, falls dieses fragile Gestell überhaupt schützen kann.
Unter dem den Titel Helme in der Theorie
gucken wir mal nach, wie so ein Helm aufgebaut ist und wo er wirken könnte, falls er denn wirkt. Schon an dieser Stelle bestehen große Zweifel, denn der Velohelm ist gar kein richtiger Helm! Er ähnelt doch eher einer sogenannten Sturzkappe
, wie sie in den 50er und 60er Jahren getragen wurde und wird die Schutzwirkung einer solchen, wenn überhaupt, nur unwesentlich übertreffen.
In der zweiten Abteilung, Helme im Einsatz
, prüfen wir die Velohelme in der Praxis. Wir blicken nach Australien und Neu-Seeland, wo es seit den 90er Jahren ein gesetzliches Helmobligatorum gilt. Wenn die Helme tatsächlich die Schutzwirkung haben sollten, die ihnen von den Helmproduzenten nachgesagt werden, dann müßte sich das dort in der Statistik signifikant bemerkbar machen. Und weil es immer gut und richtig ist eine zweite Meinung zu hören, werfen wir ebenfalls noch einen Blick in die Schweiz, wo infolge einer außerordentlich aggressiven Werbung die freiwillige Helmtragequote auf über 30 % angestiegen ist. Auch dort müßten wir eine deutliche veränderung in der Unfallstatistik nachweisen können, falls die Helme wirken.
Man muß natürlich bedenken, daß Statistiken immer nur Wahrscheinlichkeiten beschreiben, eine Prognose für eine konkrete Einzelperson ist hingegen nicht möglich. Ich kann und ich will darum nicht ausschließen, daß es Beispiele gibt, die zu meinen Beobachtungen im Widerspruch stehen. Jedoch sind die Schnittmengen bei den von mir betrachteten Szenen enorm groß, es sind etliche Millionen. Daraus folgt, das Zahlenmaterial ist zuverlässig und kann darum durch ein Einzelschicksal, auch wenn es dramatisch sein sollten, nicht erschüttert werden. Oder dumm gesagt: individuelle Eiunzelfälle muß ich ignorieren, denn sie können letztendlich in einer derart großen Referenzmenge weder etwas beweisen noch widerlegen.
Weiterhin ist nachzutragen, daß ich niemand davon abhalten will sich dennoch einen Helm aufzusetzen! Aber er soll es selbst bestimmen können und nicht per Gesetz dazu gezwungen werden, allein darum geht es mir.
© 02/2009 by Erika Ciesla, 68167 Mannheim/Germany